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August 2008: 141,0 (+1,8)


In der traditionell ruhigsten Zeit des Jahres, von Ende Juli bis Mitte August, wenn Urlaub angesagt ist, und Biergarten, wenn die Politik sich im Sommerloch suhlt und die Nachrichten kaum etwas Neues hergeben, sollte sich der Volkszorn eigentlich beruhigen.

Das hat er nicht getan.

Mit dem Anstieg um 1,8 Punkte auf den Wert von 141,0 hat sich der Index in den letzten vier Wochen entgegen der Erwartungen nach oben bewegt.

Die Einzelkomponenten nämlich die Beurteilung der aktuellen Lage und die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung haben sich dabei in unterschiedlicher Stärke in die gleiche Richtung bewegt. Bei der Einschätzung der Lage hat sich der durchschnittliche Punktwert von 912 auf 924 (von 1000) verschlechtert, während die negative Einschätzung der Zukunftsaussichten von 864 auf 896 Punkte (von 1.000) zugenommen hat.



Ergebnisse nach Einkommensgruppen:

Da die erste Auswertung in einigen Foren mit Sätzen kommentiert wurde, die ungefähr so lauteten:

"Kein Wunder, wenn man bloß Hartz IV-Bezieher fragt, dann muss ja eine fiese Stimmung herauskommen"

geben wir diesmal einen Einblick in unsere nach Einkommensgruppen gegliederten Daten. Es ist ja keineswegs so, dass hier nur Hartz-IV-Bezieher mitmachen.

Etwa ein Drittel der von uns Befragten lebt in Haushalten mit einem jährlichen Haushalts-Netto-Einkommen von mehr als 25.000 Euro. Mit über 2.000 Euro netto pro Monat sind hier also weder typische Hartz-IV-Haushalte, noch typische Kleinrentner-Haushalte erfasst. Es handelt sich dabei eher um Haushalte mit mindestens einem Berufstätigen in einem nicht prekären Beschäftigungsverhältnis, um diejenigen also, denen es immer noch einigermaßen gut geht.

Der Volkszorn-Index in dieser Gruppe liegt mit 139,1 nur geringfügig unter dem Gesamtwert aller Einkommensgruppen.

Die Einschätzung von Lage (911 von 1000 Punkten) und Zukunftsaussichten (871 von 1000 Punkten) ist nur geringfügig besser als in der Betrachtung aller Befragten (924/896), liegt jedoch ungefähr da, wo das Ergebnis der Gesamtgruppe noch im Juli gelegen war (912/864).


Die Zusatzfrage im August

Wir haben unsere Frage diesmal so formuliert:

Diesmal geht es um Ihre Einschätzung für die nächste Bundestagswahl - also bitte nicht ankreuzen, was Sie sich wünschen - sondern was Sie realistisch erwarten!

Das bringt die Bundestagswahl 2009:

  50,7 %

erwarten eine

CDU/CSU-geführte Bundesregierung
 16,3 % in Koalition mit FDP und Grünen
14,4 % in Koalition mi der SPD
11,3 % in Koalition mit der FDP
  5,6 % in irgendeiner anderen Koalition
  3,1 % mit ausreichender eigener Mehrheit

17,5 %

erwarten eine

SPD-geführte Bundesregierung
8,1 % in Koalition mit Grünen und Linkspartei
 6,9 % in Koalition mit CDU/CSU
 2,5 % in Koalition mit der Linkspartei

31,8 %

halten die derzeitige politische
Lage für viel zu unsicher,
um sich auf den Wahlausgang schon festlegen zu können.
 
 
 

Setzt man die Erwartungen für den Wahlausgang in Bezug zu den Einschätzungen der Zukunftserwartung der gleichen Befragten, lässt sich unschwer folgern, dass die von 50,7 % der Befragten für wahrscheinlich gehaltene CDU/CSU geführte Bundesregierung, nicht erhofft oder erwünscht, sondern befürchtet wird.

Im Gegensatz dazu kann von den 31,8%, die sich noch nicht festlegen wollen, angenommen werden, dass es Ihre Hoffnung auf eventuell doch noch eintretende Veränderungen ist, die sie noch zurückhält, einen Tipp für den Wahlausgang abzugeben.

Insgesamt drückt sich in diesem Stimmungbild die Hoffnungslosigkeit derjenigen Wähler aus, die ihre Chance in positiven Veränderungen der sozialen Situation im Lande sehen, aber nicht daran glauben, schon in der nächsten Legislaturperiode den Wechsel zu einer neuen sozialen Politik herstellen zu können.

Wenn aus dieser Resignation eine weitere Zunahme der Nichtwähler entsteht, wird sich die eigene Erwartung erfüllen. Es ist die SPD, die mit einer klaren Linksorientierung das Vertrauen ausreichend vieler Wähler zurückgewinnen könnte, und es ist die LINKE, die mit ihrer kämpferischen und unerschrockenen Haltung die Zuversicht weckt, dass eine SPD-LINKE-Koalition tatsächlich zu positiven Veränderungen in der Lage wäre.

Was fehlt, um die Wähler zu mobilisieren, ist der Mut der SPD, ihre Fehler aus den letzten 10 Jahren einzusehen und eine charismatische Figur an die Spitze der Partei zu stellen, die es schafft, die große Mehrheit der durch die Agenda-Politik Geschädigten hinter sich zu versammeln. Dafür sind weder Kurt Beck noch Frank Walter Steinmeier geeignet. Der eine, weil er sich nicht entscheiden kann, der andere, weil er sich für die falsche Richtung entschieden hat.

Die Revolution in der SPD muss in diesem Herbst erfolgen, wenn sie sich für die nächste Bundestagswahl noch positiv auswirken soll.

Das klägliche Scheitern des Versuchs, Wolfgang Clement in die Schranken zu weisen, sollte Ansporn für die Genossen sein, sich für diesen jetzt fälligen Anlauf gegen die Freunde von Peter Hartz & Co. besser zu wappnen.



Volkszorn-Index - anonyme Befragung

Die permanent laufende, anonyme Online-Umfrage zum Volkszorn-Index erbrachte unverändert zum Juli den Wert von 141,9.

Die IST-Situation wurde dabei mit 924 exakt gleich schlecht beurteilt, wie von den Teilnehmern der qualifizierten Umfrage, die Zukunftserwartung fiel auch diesmal mit 913 Punkten deutlich schlechter aus als die der registrierten Teilnehmer (896).


Daten zur Struktur der Befragten:

 Stand August
2008
 Nähe zu politischen Parteien
42,0 % Keine Affinität zu einer Partei
36,5 % die LINKE
6,6 % andere Partei, eher links
3,0 % ÖDP
2,5 % SPD
0,8 % Grüne
4,1 % NPD
2,9 % andere Partei, eher rechts
0,8 % CDU/CSU
0,4 % FDP


Wertebasis

Am 15. August 2008, 18.00 Uhr wurde die am 11.08. gestartete Erfassung der Einzeldaten zum EWK-Volkszornindex August 2008 abgeschlossen. In diesem Zeitraum wurden aus dem Kreis der bis dahin 241 registrierten Teilnehmer 164 gültige, vollständige und doublettenfreie Antworten abgegeben.

An der anonymen Online-Umfrage beteiligten sich im Erfassungszeitraum August 369 Personen.


persönliche Anmerkung

Die Ursachen für den hier gemessenen und sichtbar gemachten Volkszorn sind vielgestaltig. Seit etlichen Jahren versuche ich, über meine Veröffentlichungen im Internet darauf aufmerksam zu machen und Wege aufzuzeigen, die Spannungen aufzulösen. Meine Grundüberzeugung lautet: Wir müssen es schaffen, eine Mehrheit der Demokraten zu organisieren, die in der Lage ist, sich ihren Staat als ihren "Servicebetrieb" zum allgemeinen Nutzen zu organisieren.

Mit meinem kleinen Verlag versuche ich zudem, Bücher möglich zu machen, die von großen, konventionellen Verlagen nie und nimmer ins Programm aufgenommen würden. Sei es, weil es schlicht einfacher und erfolgversprechender ist, statt neuen originellen Manuskripten eine Chance zu geben, doch lieber ein Buch aufzulegen, für das ein Prominenter aus Sport, Unterhaltung oder Politik seinen Namen hergegeben hat - sei es, weil die Inhalte einfach nicht zu den Vorstellungswelten der Verleger und ihrer Geldgeber passen wollen.

Ein solches Buch ist z.B. "Im Dschungel der Maßnahmen" von Isabel Horstmann. Es ist nicht nur für Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger lesenswert, die kennen die dort beschriebenen Techniken und Taktiken der Arbeitsverwaltung zumindest ausschnittsweise aus eigenem Erleben. Es ist ein Buch für alle Menschen, die sich verantwortungsbewusst in die Debatte um den Kahlschlag unserer Sozialsysteme und den mit der Brechstange von oben gewaltsam geschaffenen und ausgeweiteten Niedriglohnsektor auseinandersetzen wollen.

Ich will nicht aufdringlich werden - aber ich möchte Sie anregen, einfach einmal ein wenig auf den Seiten des EWK-Verlags zu stöbern. Und wenn Sie ein Buch finden, das Ihnen gefällt, dann freut mich das.

 

Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer

 

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